Was ist eigentlich besser und erstrebenswerter? Ein medizinisches Versorgungszentrum oder ein integrierter Versorgungsvertrag? Natürlich aus Sicht der Pflege-
Gründermotivation: Die überwiegende Zahl der befragten MVZ wurde vor allem zur Erweiterung der eigenen Position am Gesundheitsmarkt (24,0 %), zur Steigerung der Effizienz (16,3 %) oder zur weiteren Anstellung von Ärzten gegründet (11,5 %). Die meisten MVZ (60,6 %) ließen sich in städtischen Gebieten nieder und arbeiten im Durchschnitt mit drei Ärzten. Für die betriebswirtschaftliche Organisation ist überwiegend (61,5 %) ein ärztlicher Leiter zuständig. 61,0 % der MVZ bieten eine medizinische Schwerpunktbehandlung an. Ärzte gründen MVZ nicht primär, um Synergieeffekte zu erzielen und Gründungsrisiken zu teilen sowie flexibler mit Arbeitsressourcen zu arbeiten. Lediglich 2,9 % der MVZ verbanden mit der Gründung vor allem ein verringertes Investitionsrisiko und die Entlastung von Verwaltungsaufgaben.
Gestaltung: Um den Informationsfluss zwischen den behandelnden Ärzten zu optimieren und einen reibungslosen Behandlungsablauf für den Patienten zu gewährleisten, arbeiten 71,2 % der befragten MVZ mit einer gemeinsamen Patientenakte, 7,7 % planen eine. Jedes zweite MVZ hat standardisierte Behandlungspfade, 15,4 % wollen welche entwickeln und einführen. Fast jedes zweite MVZ veranstaltet Patientenschulungen und Vorträge. 14,4 % wollen dies künftig tun. Der Großteil der untersuchten MVZ (66,3 %) bietet Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) an. Jedes vierte MVZ hat außerdem Telefonsprechstunden für die Patienten. 63,5 % der MVZ sind bereits mit einer eigenen Homepage im Internet vertreten und ein Drittel nutzt einen "Tag der offenen Tür" als Informationsmöglichkeit.
Vernetzung: MVZ kooperieren hauptsächlich mit niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern. Über die Hälfte der MVZ (57,9 %) arbeitet mit drei oder mehr Partnern zusammen. Jedes vierte MVZ ist bereits Vertragspartner der Integrierten Versorgung. 39,4 % planen künftig ebenfalls die Teilnahme an einem Vertrag zur Integrierten Versorgung. 40,4 % nehmen an einem Disease-Management-Programm teil; 9,6 % wollen dies künftig tun. Sowohl für die weitere Gesamtentwicklung als auch für die weitere Entwicklung des eigenen MVZ, sagen die befragten Teilnehmer voraus, dass die Anzahl der MVZ und die Anzahl der im MVZ tätigen Ärzte ansteigen wird. Kooperationen mit Leistungserbringern des stationären Sektors (Krankenhaus) werden zwar zunehmen, aber das stetige Wachstum der MVZ wird die ambulante Versorgung gegenüber der stationären stärken. Einige MVZ-Betreiber sind außerdem davon überzeugt, dass sich in Zukunft Facharztzentren unter den MVZ herausbilden werden.
Daraus folgt, dass ein MVZ in erster Linie der ärztlichen Versorgung gilt. Pflege kann Nachsorgen. Auf der anderen Seite kann Pflege aber auch ein MVZ gründen und als Betreiber agieren, indem es Ärzte anstellt.
wenn eine Entscheidung zu treffen wäre, ob ein IV - Projekt initiiert oder ein MVZ gegründet werden soll, ist eine allgemein gültige Antwort nicht möglich. Jede Entscheidung ist ja bekanntlich immer nur so gut, wie die zu Grunde liegende Informationsbasis (und abhängig von der Entscheidungsfähigkeit des Entscheidungsträgers).
Um "besser" beurteilen zu können wäre es wichtig, die verfolgten Ziele zu kennen, die Perspektive zu wählen (z.B. aus Sicht der Krankenkassen, der Betreiber, der Beteiligten, der Patienten, ...) und dann Beurteilungskriterien festzulegen, die das FÜR und WIDER bezogen auf die Ziele gewichten.
Vorschläge zu Beurteilungsdimensionen findet man z.B. in dem Buch:
Leuchtturmprojekte Integrierter Versorgung und Medizinischer Versorgungszentren (ISBN 3-939069-20-5) aus der Schriftenreihe des Bundesverbandes Managed Care (BMC)
In dem Buch werden ausgewählte IV - Verträge und Konzepte von Medizinischen Versorgungszentren mit Hilfe folgender Dimensionen beurteilt:
a) Bezogen auf das Gesundheitssystem (gesundheitsökonomisches Potential / Innovationsgrad / Nachhaltigkeit und Zukunftsorientierung / Transparenz / Übertragbarkeit auf andere Regionen) b) Bezogen auf die Medizinische Versorgung (strukturelle Verbesserung / Verbesserung der Behandlungsprozesse / Komplexität der Versorgung / Transparenz) c) Bezogen auf die Patienten (Verbesserung der medizinischen Versorgung / Verstehbarkeit und Transparenz / Einbindung in die Entscheidungen / Wahlmöglichkeiten und Zugang / finanzielle Anreize) d) Bezogen auf das Management / die Betreiber (Wertschöpfungspotenzial / Organisationsgrad / Komplexität / Nachhaltigkeit / Risiko, Vulnerabilität / finanzielle Anreize für Leistungserbringer / nicht-monetäre Anreize / Bekanntheitsgrad in der Zielgruppe)
Ein spezielles Beurteilungssystem aus Sicht der Pflege ist mir nicht bekannt. Doch wenn Du die verfolgten Ziele definierst wird Dir schnell klar, worauf bei der Beurteilung "mindestens" zu achten ist und welche Informationen vorab eingeholt werden müssen.